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Horst P. Horst: «Horst – Photographien aus sechs Jahrzehnten»

Meister des Schattens

Der deutsch-amerikanische Fotograf Horst P. Horst (1906–1999) zählt zu den «besten Fotografen» aller Zeiten und porträtiert im Verlauf seiner Karriere die schillerndsten Persönlichkeiten dieser Epoche. Die Bildmonografie «Horst – Photographien aus sechs Jahrzehnten» würdigt sein Werk mit 200 seiner berühmtesten Aufnahmen.

Horst P. Horst war der Fotograf der Schönen und Reichen.

Text und Foto DAMIR KLJEKOVIC

Paris, die Modehochburg der Dreissigerjahre des letzten Jahrhunderts, prägte Horst P. Horst und seine Fotografie, die sich auszeichnet durch sein einzigartiges Gespür für Ästhetik und Eleganz, vereint mit seiner genialen Lichtführung und entsprechenden Kontrasten. Schon bald schmückten seine Werke immer wieder das Cover der berühmten Modezeitschrift «Vogue», und er wurde zu einem der gefragtesten Modefotografen. Er porträtierte unter anderen die Modeikone Coco Chanel, die Künstler Salvador Dalí und Andy Warhol sowie den Modeschöpfer Yves Saint Laurent und andere Berühmtheiten des 20. Jahrhunderts.

Horst P. Horst, mit bürgerlichem Namen Horst Paul Albert Bohrmann, wird als zweiter Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns in Weissenfels an der Saale in Sachsen-Anhalt geboren. Sein Interesse für die künstlerische Avantgarde wird Anfang der Zwanzigerjahre geweckt. Ende der Zwanzigerjahre beginnt er, in Hamburg Architektur zu studieren. Für sein Praktikum beim Architekten Le Corbusier zieht der junge Horst 1930 nach Paris, wo er den «Vogue»-Fotografen Baron George Hoyningen-Huene kennenlernt, der ihm den Kontakt zur Pariser Ausgabe der «Vogue» vermittelt, bald darauf folgt «Vogue» in New York.

Sinnlichkeit pur

Zu seinen bekanntesten Werken zählt «The Mainbocher Corset» aus dem Jahr 1939. Es zeigt die Rückenansicht einer jungen Dame im Korsett: schwarzweiss, klar gezeichnete Lichtführung, Sinnlichkeit pur. Mit ebenso von seiner Genialität geprägten Fantasie erschuf er 1940 das Bild «Lisa with Turban», das auch das Cover des Bildbands «Horst – Photographien aus sechs Jahrzehnten» ziert. Gerade dieses Bild spiegelt seinen einzigartigen Fotostil wider, das Spiel mit Licht und Schatten.

Das Set bereitet er jeweils schon am Vortag vor; die Requisiten sind mit Bedacht gewählt und die Szene richtig ausgeleuchtet. Nur noch eine kurze Anweisung an das Model, keine Musik zur Auflockerung, keine anfeuernden Anweisungen wie «Baby, do it!», stattdessen volle Konzentration.

Verführerische, ja vollkommene Illusion
Die Arbeiten von Horst sprechen eine eigene und wiedererkennbare Bildsprache. Er benutzt sehr selten gewagte Perspektiven und Bildausschnitte, stattdessen arbeitet er hauptsächlich mit hartem, dramatischem Licht, das er gezielt nutzt, um seine Motive in Szene zu setzen. So entsteht eine verführerische, ja vollkommene Illusion von Unnahbarkeit und Eleganz in faszinierenden Schwarzweisstönen.

Die Bildmonografie «Horst – Photographien aus sechs Jahrzehnten» mit 200 ausgesuchten Bildern aus 60 Jahren zeigt Horst P. Horsts gekonntes Spiel mit Licht und Schatten, seine Leidenschaft für das perfekte Bild, das Lebenswerk eines der besten Fotografen aller Zeiten.

Die erste Ausgabe entstand in enger Zusammenarbeit mit Horst und erschien 1991 im Schirmer/Mosel Verlag als Hardcover. 1995 folgte eine Softcover-Ausgabe und 2001, zwei Jahre nach seinem Tod, eine Neuauflage als letzter Gruss und Hommage an den unerreichten Meister des «dramatic lighting».

Weitere Infos
Die Bildmonografie «Horst – Photographien aus sechs Jahrzehnten» ist schon seit Jahren vergriffen, aber man kann sie durchaus gebraucht in entsprechenden Onlineportalen finden.
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