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Sechs Fragen an den Rollstuhlmechaniker

«Ich liebe es, die Probleme von Menschen zu lösen»

Eine lose Bremse festschrauben, ein Rad neu bereifen. Das sind die alltäglichen Aufgaben von Markus Gmür. Der 39-Jährige ist Leiter der Abteilung Rehatech beim Sozialunternehmen IWAZ in Wetzikon. Zusammen mit seinem Team repariert er Hilfsmittel für Menschen mit einer Beeinträchtigung.

Rollstuhlmechaniker Markus Gmür
In der Abteilung Rehatech arbeitet Markus Gmür in einem neunköpfigen Team.

Text ELIANE STOLL
Fotos OSCAR LIBERONA

Das Sozialunternehmen IWAZ in Wetzikon ist Arbeitsstätte und Wohnort für viele Menschen mit einem Handicap. Der Leiter der Abteilung Rehatech, Markus Gmür, beantwortet sechs Fragen zu seinem Beruf:

Was ist Ihr Beruf?
Mein Beruf heisst offiziell Reha-Techniker. Die Bezeichnung als Rollstuhlmechaniker geht aber auch. Zu diesem Beruf finden meistens Quereinsteiger, die ursprünglich als Velo-, Auto- oder Polymechaniker gearbeitet haben. Die Kombination aus Technik und menschlichen Problemstellungen begeistert und motiviert uns hier alle im Team.

Haben Sie ein Morgenritual respektive was machen Sie, bevor Sie zur Arbeit gehen?
Den frühen Morgen verbringe ich mit meiner Familie. Wir stehen alle gemeinsam auf und frühstücken zusammen. Das erste Mal denke ich an meine Arbeit, wenn ich im Auto zur Arbeit fahre. Da denke ich über anstehende Termine nach und schaffe Ordnung in den Tag.

Was beinhaltet Ihr Job?
Voraussetzung für diesen Job ist, dass man Menschen liebt und gerne deren Probleme löst. Das Ziel sollte immer sein, einen Mehrwert für den Kunden zu generieren. Jeder Nutzer von Hilfsmitteln hat individuelle Bedürfnisse. Ich erlebe nie zweimal die gleiche Geschichte oder die gleiche Problemstellung. Und so muss ich mich als Mechaniker auf die Menschen einlassen wollen. Ich habe eine sehr abwechslungsreiche Arbeitsstelle. Jeder Tag beinhaltet neben den fest vorgemerkten Beratungsterminen Unvorhergesehenes. So muss ich beispielsweise auch mal einen Kunden abholen, weil seine Rollstuhlbremse den Geist aufgegeben hat. Wir sehen uns auch als Pannendienst für Rollstuhlfahrer und Hilfsmittelnutzer. Daneben beinhaltet der Job auch viel Administratives. So erstelle ich oft IV-Berichte und mache Abklärungen und Offerten, um dem Kunden ein möglichst optimales Hilfsmittel anbieten zu können, welches auch für die Invalidenversicherung (IV) akzeptabel ist.

Iris Bachmann
Blindenhund
Christoph Ammann

Rollstuhlmechaniker Markus Gmür

«Jeder Nutzer von Hilfsmitteln hat individuelle Bedürfnisse. Ich erlebe nie zweimal die gleiche Geschichte oder die gleiche Problemstellung.»

Markus Gmür, 39, Leiter Rehatech IWAZ, Wetzikon

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Sie Ihre Arbeit gerne machen?
Das Team und die Infrastruktur der Werkstatt müssen vor allem passen. Meine Arbeit ist sehr stark durch das Team geprägt. Ich bin darauf angewiesen, dass das Zusammenspiel zwischen Innendienst, Verkäufer und Mechaniker reibungslos funktioniert. Wichtig ist mir auch die Infrastruktur der Werkstatt. Einem Rollstuhlfahrer mit einer kaputten Bremse muss umgehend geholfen werden können. Das heisst, wir brauchen ein grosses Lager an verschiedenen Verschleiss- und Ersatzteilen. Es erfüllt mich ungemein, wenn ich für Kunden sofort auf unkomplizierte Weise Probleme lösen kann.

Wie wichtig ist Ihnen der private Ausgleich?
Natürlich sehr wichtig. Ich renne als Vater von zwei kleinen Kindern mit ihnen gerne durch den Wald, jogge, bike und fahre Ski. Dabei hilft mir vor allem das Draussensein, um einen freien Kopf zu kriegen.

Haben Sie einen Tipp für gute Laune bei der Arbeit?
Ich finde die Frage etwas seltsam, denn eigentlich sollte man bereits gutgelaunt bei der Arbeit auftauchen. Gute Laune habe ich, wenn die Stimmung im Team passt und wenn die Arbeit sinnvoll ist. In meinem Fall ist beides gegeben. Ich mache eine Arbeit, die Freude bereitet, und dies wird hoffentlich noch sehr lange so bleiben.

Markus Gmür repariert das defekte Bremskabel eines Rollstuhls.
Weitere Infos
iwaz.ch/rehatech