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Patrick Süskind: «Das Parfum» – Die Geschichte eines Mörders

Mord. Das Mittel zum Zweck.

In 48 Sprachen übersetzt, über 20 Millionen Leser sowie einheitlich begeisterte Kritiker: Der 1985 erschienene Klassiker «Das Parfum» des deutschen Schriftstellers Patrick Süskind hat seit Ersterscheinen nichts an Faszination eingebüsst. Eine Hommage an die Geschichte eines Mörders.

Patrick Süskind: Das Parfum
«Das Parfum», ein Bestseller seit 35 Jahren.

Text und Foto PETER ITEN

Alles stank bestialisch. Frankreich im 18. Jahrhundert. Jean-Baptiste Grenouille, unter widrigsten Umständen auf einem Fischmarkt geboren und von der leiblichen Mutter verstossen, verbringt die Kindheit bei verschiedenen Ammen. Wie durch ein Wunder überlebt er trotz fehlender Fürsorge, Liebe und Geborgenheit, dank seiner Zähheit und einem unbändigen Überlebenswillen. Nach seinen Lehrjahren beim Gerber Grimal, der ihn ebenfalls nur ausnutzt und demütigt, entdeckt er seine Leidenschaft und sein einzigartiges Gespür für Düfte. Als er später eher durch Zufall bei Baldini erste Erfahrungen als Parfümeur sammelt, verfolgt er nur noch ein Ziel, und dies ebenfalls ohne Skrupel: einen Duft zu erschaffen, dank dem ihm die ganze Welt zu Füssen liegt und für den er über Leichen geht.

Immer der Nase nach. Seite um Seite.
Patrick Süskind vermag es, in seinem Roman den Leser schon ab der ersten Seite in die faszinierende Welt der Gerüche zu entführen. Durch seinen klaren, fantasievollen und verständlichen Schreibstil schafft er es, des Lesers Sinne zu öffnen und zu schärfen. Süskind ist in der Lage, das Riechen in seinem Roman direkt und ohne Umschweife zu beschreiben und auf den Punkt zu bringen. Von Anfang an ist der Leser mit Grenouille mitfühlend, vertraut und verbündet sowie seinem Plan, den perfekten Duft zu erschaffen, positiv gesinnt – und versteht, dass er die Morde an jungen Frauen als Mittel zum Zweck einsetzt, um sein Ziel zu erreichen.

Ein Buch für die Sinne
«Das Parfum» ist keineswegs ein klassischer Krimi oder eine Geschichte über einen Mörder, vielmehr ein Buch über einen rücksichtslosen Perfektionisten. Dank Süskinds leichter Sprache auch für ungeübte Leser die perfekte Wahl. Die Spannung hält sich über die gesamten gut 300 Seiten, und der Ausgang der Geschichte bleibt bis zum letzten Satz offen. Was dem Leser nach dem erschütternden Romanende bleibt, ist ein noch lange Zeit sensibilisierter Geruchssinn, dank dem er plötzlich Dinge riecht, die er vorher nie wahrgenommen hat.

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Patrick Süskind: «Das Parfum», Diogenes-Verlag
Patrick Süskind

Das Parfum

Die Geschichte eines Mörders
Diogenes 1985
Taschenbuch, 336 Seiten
Fr. 16.–*
* unverbindliche Preisempfehlung
ISBN: 978-3-257-22800-7